
20ölf, und jetzt?
31. Dezember 2010Als ich heute einem Mann mit dunkelblauer Gehhilfe durch ein Gebirge aus Eis, Schnee, Split und Salz chauffierte, wurde mir klar, dass für viele Mitmenschen das neue Jahr nichts Neues bringen wird, außer weiterer Beschwerden. Der Mann wünschte mir zum Abschied noch: “Gut’n Rutsch und ‘ne bessere Gesundheit wie ich’se hab’”.
In zwanzig Metern Entfernung stand eine Frau mit ihrer achtjährigen Tochter und zog in hoher Frequenz an ihrem Glimmstängel. Sie hatte eine sehr unreines und ernst wirkendes Gesicht. Durch die klare und kalte Winterluft merkte ich, wie ich passiv mitrauche. Sie schien versunken in ihren Gedanken, ging nicht auf die Fragen ihrer Tochter ein.
Sollten mich solche Begegnungen pessimistisch stimmen? So unmittelbar vor dem Jahreswechsel? Menschen, die in unserer Gesellschaft hängen, wie im luftleeren Raum, existent aber nicht zufrieden mit ihrer Anwesenheit, anfällig gegen kleinste Veränderungen und damit ignorant gegenüber dringender Erneuerungen. Wie viele Menschen erwarten einfach nichts Neues von der Zukunft, aus Angst, dass es noch weiter in die falsche Richtung geht? Wie viele rutschen allein und hoffnungslos ins neue Jahr? Wie viele Menschen bedauern sich selbst und die folgenden Generationen.
Für mich bedeutet die Zukunft in jedem Fall eine Chance für jeden Einzelnen. Die Zeit auf Erden muss unbedingt für krasse Sachen genutzt werden. Das neue Jahr bringt erstmal neues Leben und neuen Lärm in die Bude. Und damit auch den nötigen Optimismus.
Don Sancho


