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Auf einmal alles auf Anfang

18. Februar 2014

Auf einmal ist es drei Jahre später. Drei Jahre nach der letzten Post. Auf einmal sind andere Dinge wichtiger gewesen. Das Hauptproblem des homo rabotis ist wohl die mangelnde Lebenszeit. Erwerbsarbeit wurde zum Lebenszweck. Menschen in öffentlichen Verkehrmitteln versuchen auf dem Weg nach Hause Versäumtes aufzuholen. Schnell die Ticker oder die Timeline eines Freundes dritten Grades scannen, sich mal eben ein Glätteisen im Netz schießen, in übermäßiger Lautstärke zu Hause anrufen, dass der Kaffee aufgesetzt werden kann, damit die Brühe in der Tasse dampft, wenn die Straßenschuhe ausgezogen sind. Damit es zügig weitergehen kann. Der Tag hat ja nur vierundzwanzig Stunden. Das Fernsehprogramm mittlerweile auch. Warum vierundzwanzig und nicht zehn? Warum ist der September der neunte Monat im Jahr? Und warum beten Buddhisten in abgetrennten Schreinen für Sonntagskinder? Ist die Zeit denn so relevant? Erleben wir unser Leben noch? 25 Tage im Jahr Kraft durch Freude? Sollten wir nicht etwas Schwung aus dieser Hatz nehmen? Wirtschaftskraft an Stabilität und Glück messen und nicht an PKE und BIP? Die Lösung ist gesättigt. Mal entspannt zusammen kochen und nicht den Sonntagsbraten, der über zwei Stunden in der Röhre war, in zwölfeinhalb Minuten einverleiben. Zeit nehmen. Träume verarbeiten. Privat ausbrechen aus einem monetären, auf Ausbeutung fußenden System ohne Grenzen für Menschen ohne Gewissen. Doch solange die Werbung an den Buswartehäuschen den Sklaven vorschreibt, wie ein erfülltes Leben auszusehen hat, stehen wir noch ganz am Anfang.

Don Sancho

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ein bisschen bluna

18. Mai 2011

Ein Student mit Hut kommt mir mit einer Mischform aus schnellem Gehen und leichtem Rennen entgegen. Er will noch seine Bahn in Richtung Szene erwischen. Hinter ihm ein von der Leine gelassener Jack Russel mit Drohgebärden. Misfällt dem Tier, dass sich der Student nicht für eine Gangart entscheiden kann? Oder rührt dessen Eile sogar vom Knurren des Hundes selbst?
Zwanzig Schritt dahinter kommt ein Mann mit Leine in der Hand – der mutmaßliche Halter – in einer der des Studenten ähnlichen Holprigkeit daher. Als er beim Vorbeigehen grinst und „Mistvieh“ zischt, kann ich mir ein Lachen nicht verkneifen.
Schön, diesen Tag mit einem Lachen zu beenden. Der Tag war anstrengend und zudem erfuhr ich erst heute, dass die nötige Wiederingangsetzung meines Automobils dessen eigentlichen Wert um das Fünffache steigern würde. Da siegt die Vernunft, und so muss ich nun einen treuen Weggefährten verabschieden. Eine Maschine, ein Gebrauchsgegenstand, an welchem aber dennoch so viele schöne Erinnerungen hängen. Ich kann trotzdem Lachen. Die Schwüle des Abends und überhaupt alles um mich herum auf meinem gepflasterten Heimweg stimmt mich so erschreckend optimistisch. Das Gefühl, glücklich ( = optimistisch?) zu sein, sollte jeder Mensch jeden Tag erfahren dürfen. Ich werde diesen Vorschlag an die Verwalter der Menschenrechte senden.

Don Sancho

Frosch als Symbol des Glücks

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And morning comes, like it almost always does

19. März 2011

Zurück ins reale Leben. Oder überhaupt erstmal rein? Arbeit nervt, darüber sind wir uns ja schon lange im Klaren. Bedingslos Auskommen durch bedingungsloses Einkommen. Das wäre angebracht und wohl auch möglich. Unsere Produktivität ist wohl hoch genug um mal kräftig einen Gang runterzuschalten und einige Gänge zur allmorgendlichen Stechuhr ausfallen zu lassen. Mal sehen wann wir und der Rest der Welt dafür bereit ist. Um nicht auf den Segen unserer Gesellschaft warten zu müssen, kann man ja auch selbst mal sagen: Ende im Gelände, Schluss im Bus und raus ausm Haus. Oder so ähnlich. Wichtig ist nur, eine Entscheidung zu treffen, dem Feuer in die Augen zu schauen, nicht bloß den Schatten zu sehen, auch mal aus der Höhle raus zu klettern. Eben zurück ins reale, selbstbestimmte Leben.

Und so kommt es, dass man dann auch mal zehn Stunden am Stück zwischen Budnikowski, Starbucks und dem örtlich Kleinbäcker rumsteht und in neongelber Daunenjacke versucht die Gelben Seiten und das altvertraute Telefonbuch an den Hamburger Kleinbürger zu bringen. Man mag sich echauffieren über den vermeindlichen Abstieg von einer entspannten und mit allen Annehmlichkeiten ausgestatteten Beraterbude hinab zum knallharten Betonboden des nasskalten und in leuchtgelb getunkten Maria-Jonas-Platz. Man kann diesen soziökonomischen Touchdown aber auch nutzen um in die Welt anderer einzutreten und damit die eigene durch eine unkontrollierte Horizontverschiebung ein ganzes Stück zu erweitern.

Nun, was es mir bringt wenn ein 1968 nach Deutschland emmigrierter Pole erzählt, wie sie ihn zusammen mit anderen Studenten nach den gewerkschaftlichen Protesten Ende der 60er ausm Land schmissen, was er über uns, seine und unsere Heimat denkt? Was es mir nützt wenn er mir berichtet wie er vor einem Jahr wegen Krebs plötzlich Querschnittsgelähmt war, nie Schmerzen hatte und jetzt schon wieder langsam laufen kann? Jeder kann sich wohl aussuchen, was er aus solchen Geschichten lernt, für sich mitnimmt. Und wenn es bloß reine Unterhaltung während einer langweiligen Arbeit ist.

Man mag kaum glauben was diese gelbe Jacke für eine Wirkung hat. Vertrauen ist gar kein Ausdruck. Die Menschen bleiben stehen, erzählen, erzählen und hören zu. So wie Cecilia, eine 67jährige semi-alternative schwedische Staatswissenschaftlerin, die mir aus ihrem Leben, von ihrer Arbeit im Konsulat, der schwedischen Naturnase vorschwärmt und einfach nur herrlich ist. Nach 30 Minuten, ihrer Telefonnummer und einer Einladung zu nem Kaffee wann auch immer fuhr sie dann weiter. Oder Brigitte, gleiches Alter, die vor, mitten im und kurz nach ihrem Supermarkteinkauf bei mir vorbeikommt, mir von ihrer Jugendliebe erzählt, wie er sich nicht traute das scheiß Studium hinzuschmeißen und was zu machen was ihn faszinierte. Genau die Brigitte, die mal direkt in den Starbucks nebenan rennt, wieder rauskommt und mir nen halben Liter grünen Tee in die Hand drückt und dann weiter zieht. Das Leben ist schon seltsam, seltsam komisch. Besonders in neongelb auf dem Maria-Jonas-Platz. Ich meine, wann hab ich schon mal kurz hintereinander von zwei Frauen über 65 eine Telefonnummer bekommen? 🙂

Zwischen den Bordsteinen der Hamburger Straßen trifft man also auch dieses Leben, vollgestopft mit skurilen Persönlichkeiten, mit Menschen die ironischerweise alle eine Message hatte: Junge, tu das was du für richtig hältst, und es wird für dich das Richtige sein. Nun frage ich mich, ob es ein Zufall ist, dass all diese Menschen, die mich an diesem Tag mit Botschaften einhüllten und für kurze Zeit in mein Leben traten, allein leben und niemanden zuhause haben, denen ihre Geschichten begeistern können? Sind sie wirklich so glücklich wie sie scheinen und sich geben? Ich kann es wohl kaum beurteilen und sollte mich wohl auch nicht allzu weit aus meiner Realität rauswagen. War ich doch gerade erst aus der Beraterposition geflüchtet.

Und wie geht’s nun weiter? Was soll das alles? Keine Ahnung. Außer vielleicht: nicht verzagen, sondern sich der Realitätspoesie der Cold War Kids hingeben und immer im Hinterkopf haben: Morning comes, like it almost always does! Dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

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Ohne künstliche Farbstoffe

9. März 2011

Die Sonne. Endlich kommt sie wieder zu Kraft. Wir wollen doch raus aus dem Grau. Rein in die Farbe. Rein in den Frühling. Rein in die Reform. Rauf auf den Putz. Und mal wieder in die Herzen unserer Fans. Genau diese werden sich gerade fragen, wo denn das versprochene neue Material bleibt. Das fragen wir uns langsam auch. Das Material hat zur Zeit einfach keine Gelegenheit, aus unseren Hirnen, mit Hilfe der Kontraktion hunderter Muskelstränge und diverser klangerzeugender Hohlkörper, den Weg in die Freiheit zu finden. Meinungsfreiheit! Versammlungsfreiheit! Reisefreiheit! Wahlfreiheit der Verbraucher! Schreibt euch das auf die Fahnen! Mit dem dicksten Pinsel, den ihr finden könnt!
Wir sind immernoch Froschs genug, um euch die Lieder zu präsentieren, die die metaphysische Wolkendecke leicht ankratzen und Licht hinein lassen. In eure Hirne und eure Herzen. Wie die Sonne.

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20ölf, und jetzt?

31. Dezember 2010

Als ich heute einem Mann mit dunkelblauer Gehhilfe durch ein Gebirge aus Eis, Schnee, Split und Salz chauffierte, wurde mir klar, dass für viele Mitmenschen das neue Jahr nichts Neues bringen wird, außer weiterer Beschwerden. Der Mann wünschte mir zum Abschied noch: „Gut’n Rutsch und ’ne bessere Gesundheit wie ich’se hab'“.
In zwanzig Metern Entfernung stand eine Frau mit ihrer achtjährigen Tochter und zog in hoher Frequenz an ihrem Glimmstängel. Sie hatte eine sehr unreines und ernst wirkendes Gesicht. Durch die klare und kalte Winterluft merkte ich, wie ich passiv mitrauche. Sie schien versunken in ihren Gedanken, ging nicht auf die Fragen ihrer Tochter ein.
Sollten mich solche Begegnungen pessimistisch stimmen? So unmittelbar vor dem Jahreswechsel? Menschen, die in unserer Gesellschaft hängen, wie im luftleeren Raum, existent aber nicht zufrieden mit ihrer Anwesenheit, anfällig gegen kleinste Veränderungen und damit ignorant gegenüber dringender Erneuerungen. Wie viele Menschen erwarten einfach nichts Neues von der Zukunft, aus Angst, dass es noch weiter in die falsche Richtung geht? Wie viele rutschen allein und hoffnungslos ins neue Jahr? Wie viele Menschen bedauern sich selbst und die folgenden Generationen.
Für mich bedeutet die Zukunft in jedem Fall eine Chance für jeden Einzelnen. Die Zeit auf Erden muss unbedingt für krasse Sachen genutzt werden. Das neue Jahr bringt erstmal neues Leben und neuen Lärm in die Bude. Und damit auch den nötigen Optimismus.

Don Sancho

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Lofotenziudid

23. Oktober 2010

Stargitarrist Don „Bionic“ Pancho wurde mit neuer Klampfe und alten Allüren im Studio gesehen! Nach so langer Zeit scheinen sich die Frösche wieder in alter Umgebung niedergelassen zu haben, mit Sandpunk im Gepäck und Bambussprossen zwischen den Schneidezähnen. Beobachter nahmen einen frischen Sound, experimentelle Akkorde und jede Menge fernexotischer Einflüsse wahr, die mit bisherigen Erzeugnissen aus dem Hause S&P mehr als nur mithalten, ja welche sie sogar weit übertreffen könnten. Welche Tracks nun auf das neue Album mit dem politisierenden Arbeitstitel „Schnee im Regenwald“ zu hören sein werden, bleibt unklar. Auf jeden Fall darf sich der Ranasfan auf neues Akustikmaterial, neue Textildrucke und vielleicht auch auf eine Rumpeltour 2011 gefasst machen.
Gestern kam diese Studioaufnahme von einem anonymen Absender namens Norbert Krabbe ins Postfach der Redaktion:

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Der gückliche Saharana

10. September 2010

Es passiert ab und zu, da macht einem das Leben einen fetten Edding-Strich durch die Rechnung, mit der seit eineinhalb Jahren gerechnet wurde. Unterm Strich standen immer die Resultate ‚Comeback‘ und ‚Apfeltee‘, doch nun kam ein neuer Faktor dazu: ‚Unspielbarkeit der Instrumente durch mangelde Funktionstüchtigkeit mehrerer Extremitäten‘.
Eine Horde wilder Wüstenbewohner ist daran schuld, dass das neue Album weiter auf sich warten lässt und dass die Fans langsam aber sicher an eine Rückkehr der Frösche in diesem Jahrzehnt zweifeln werden. Doch lasst euch an dieser Stelle gesagt sein:
Die Wiederauferstehung des Sandpunk durch Las Ranas y sus Dons de la Locura wird die Welt wie ein Schlag auf die dumme Unze treffen: